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„Schreib mal was Schönes“

Was ein gutes Briefing leisten kann, oder eher: warum es oft auch ohne geht

Es gibt Briefings, die sind so klar und auf den Punkt, dass daraus fast logisch und ohne viel Spielraum guter oder zumindest der gewünschte Inhalt entsteht. Wer haargenau weiß, welche Aussagen in welcher Tonalität, Länge und Form am Ende auf dem Papier stehen sollen, der hat die besten Chancen, es auch ohne zahlreiche lästige Korrekturschleifen zu bekommen. Vorlagen für ausführliche Briefings gibt es zuhauf. Und wer keine Vorlage zur Hand hat, lässt sich schnell eine von Claude oder ChatGPT oder Copilot erstellen. Das geht auch ohne ausgeklügelten Prompt oder Hintergrundwissen.

Das große „Aber“

Aber warum sollte jemand, der so genau weiß, was er möchte, 1. seine wertvolle Zeit in ein ausführliches Briefing stecken und 2. das Geld für eine/n professionelle/n Texter/in in die Hand nehmen, um ein Ergebnis zu erzielen, das eigentlich schon halbwegs feststeht? Das ist natürlich überspitzt formuliert und es gibt selbstverständlich viele, viele Fälle, in denen es die Zeit, ein ordentliches Briefing zu erstellen, durchaus wert ist und die Erstellung des Textes auch besser in professionellen Händen als bei der KI aufgehoben ist. Der Grundgedanke hinter der Gegenfrage hat aber Berechtigung.

Wer einen professionellen Texter beauftragt, anstatt ein gutes und ausführliches Briefing in eine KI zu speisen, erwartet wahrscheinlich ein Ergebnis, das nicht ganz so vorhersehbar und im besten Fall positiv überraschend ist. Einfach so, dass man denkt: „Ok, cool, auf den Ansatz wäre ich so nicht gekommen“ oder „So hätte ich die Pressemitteilung wahrscheinlich niemals strukturiert, aber why not?“ (Wäre das nicht so, würden wahrscheinlich schon mehr als die Hälfte aller Texter und Copywriter umsatteln… Ich hoffe, sie tun es nicht.)

Kein Briefing ist auch ein Briefing

Gerade in Zeiten, in denen Claude mit einem gut angelegten Projekt, sauberen Prompts und guten Referenztexten Ergebnisse erzielen kann, die man beinahe (!) schon guten Gewissens übernehmen könnte, wandelt sich vielleicht die Aufgabe von Textern dahingehend, den Kunden in Sachen Briefings ein paar große Schritte entgegenzukommen. Immer mit dem Risiko natürlich, dass man mit dem Endergebnis an den Wünschen vorbeischießt und in einer Korrekturschleife nochmal ordentlich Hand anlegen muss. Aber das Risiko könnte es doch wert sein: dafür, dass der Kunde das Briefing auch auf dem Weg zum nächsten Termin kurz als Sprachnachricht rüberschicken kann. Oder vielleicht auch einfach eine Offenheit entwickelt: „Ich brauche schnell einen guten Text zum Thema X, habe aber keine Zeit, mir genaue Gedanken über Tonalität, Länge oder Form zu machen. Also leg doch einfach mal los und schreib was Schönes“.

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